Zwischen Elektrotechnik und Jerusalem: Lions Club erlebt besonderen Abend - Neckar-Alb Reutlingen
Zwischen Elektrotechnik und Jerusalem: Lions Club erlebt besonderen Abend
Am Freitag, 16. Oktober 2026, hatte die Firma G. MAIER Elektrotechnik GmbH in Reutlingen, welche von der aktuellen Präsidentin des Lions Clubs Neckar-Alb Kristin Maier-Müller sowie ihrem Ehemann Dr. Peter Müller geführt wird, ab 18 Uhr zu einer Activity mit Vorstellung der Firma, Betriebsbesichtigung, einem live übertragenen Vortrag von Abt Dr. Nikodemus Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem, sowie einem Ausklang in der G. MAIER-Lounge eingeladen.
In seinem Vortrag vor rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beschrieb Abt Dr. Nikodemus Schnabel OSB das Heilige Land als eine zutiefst verwundete Gesellschaft: Auf israelischer Seite steht die existenzielle Sehnsucht nach Sicherheit, auf palästinensischer Seite die ebenso grundlegende Sehnsucht nach Freiheit. Beide Bevölkerungen seien von Angst, Trauer und kollektiven Traumata geprägt. Einer vorschnellen Parteinahme setzt Schnabel deshalb den Grundsatz entgegen: „Wir sind weder pro Israel noch pro Palästina, sondern pro Mensch.“ Maßstab müsse die unantastbare Würde jedes Menschen sein, unabhängig von Nationalität, Religion oder politischer Zugehörigkeit.
Besonders machte Schnabel auf die häufig übersehene Vielfalt und Bedrängnis der Christen (weniger als 2 % der Bevölkerung) aufmerksam. Sie bilden keine einheitliche Gruppe, sondern gehören zahlreichen Konfessionen und unterschiedlichen Sprach- und Bevölkerungsgruppen an. Viele palästinensische Christen leben in Jerusalem, im Westjordanland oder im Gazastreifen; hinzu kommen hebräischsprachige Christen sowie christliche Arbeitsmigranten und Asylsuchende in Israel. Wirtschaftliche Not, der Zusammenbruch des Pilgertourismus, gesellschaftliche Ausgrenzung und zunehmende Übergriffe gefährden ihre Zukunft im Land.
Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 versuchen die Benediktiner, ihre Klöster in Jerusalem und Tabgha bewusst offenzuhalten. In der Dormitio-Abtei wurden rund um die Uhr Gebetszeiten angeboten. Zugleich entwickelte sich das Kloster verstärkt zu einem Ort der Kultur und der Begegnung. Konzerte, Ausstellungen und Künstlerbegegnungen bringen jüdische, muslimische und christliche Menschen zusammen, die politisch vielleicht noch nicht miteinander sprechen können, aber wenigstens gemeinsam Musik hören oder Kunst erleben. Für Schnabel ist dies kein Luxus in Kriegszeiten, sondern ein konkreter Schutzraum für Menschlichkeit und Menschenwürde.
Auch wirtschaftlich übernimmt die Gemeinschaft Verantwortung. Obwohl Pilger und Touristen weitgehend ausblieben und damit wichtige Einnahmen wegfielen, beschäftigte die Abtei ihre überwiegend aus christlichen Gastarbeiter- und Migrantenfamilien stammenden Mitarbeiter nach Möglichkeit weiter und unterstützte deren Familien. Auf diese Weise verhindert sie, dass die ohnehin verwundbaren christlichen Gemeinschaften durch Arbeitslosigkeit, Armut und Auswanderung weiter geschwächt werden.
Im Priorat Tabgha am See Genezareth wird besonders die Begegnungsstätte Beit Noah weitergeführt. Dort finden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie ihre Familien Erholung, Gemeinschaft und Unterstützung. Menschen jüdischer, muslimischer und christlicher Herkunft können sich dort begegnen. Gerade Bedürftige und Menschen mit besonderen Einschränkungen sollen erfahren, dass Sicherheit, Frieden und Zuwendung trotz des Krieges weiterhin möglich sind.
Damit verbindet Schnabel eine geistliche und politische Botschaft: Christen sollen im Heiligen Land nicht eine weitere Konfliktpartei bilden, sondern Brückenbauer, Friedensstifter und Hüter der Menschenwürde sein.
Eine anschließende Diskussion mit Abt Nikodemus rundete den Vortrag ab.