Wenn jede Minute zählt – Einblicke in die Luftrettung

Neckar-Alb Reutlingen | 29. April 2026 | Dr. Marco Herz

Am 15. April durfte der Lions Club Neckar-Alb einen ebenso spannenden wie hochaktuellen Vortrag zur Luftrettung erleben. Mit Dr. Florian Reifferscheid konnte ein Referent mit ausgewiesener fachlicher Expertise und großer praktischer Erfahrung für dieses Thema gewonnen werden. Er ist Facharzt für Anästhesiologie sowie Oberarzt und Ärztlicher Leiter des Notarztdienstes am Universitätsklinikum Kiel. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) und engagiert sich in dieser Funktion insbesondere für eine nachhaltige Entlastung von Rettungsdiensten und Notaufnahmen, für die Digitalisierung sowie für bundesweit einheitliche Strukturen in der Notfallversorgung. Auch publizistisch bringt er sich als Schriftleiter der Fachzeitschrift Der Notarzt aktiv in die Weiterentwicklung der Notfallmedizin ein.

Im Mittelpunkt des Abends stand die DRF Stiftung Luftrettung, eine gemeinnützige Organisation und einer der größten Betreiber von Rettungshubschraubern in Deutschland und Europa. Mit über 30 Stationen in Deutschland und eingebunden in ein Netzwerk von rund 85 zivilen Luftrettungsstandorten wird eine nahezu flächendeckende notfallmedizinische Versorgung gewährleistet. Ziel ist es, Einsatzorte möglichst schnell zu erreichen – in der Regel innerhalb eines Radius von etwa 50 Kilometern.

Zu Beginn seines Vortrags gab Dr. Reifferscheid einen Überblick über die Struktur der Luftrettung in Deutschland und stellte neben der DRF auch weitere Anbieter wie die ADAC Luftrettung und die Johanniter-Unfall-Hilfe vor. Anschließend widmete er sich vertieft der Arbeit der DRF und erläuterte die drei zentralen Säulen der Luftrettung: die schnelle Notfallrettung, intensivmedizinische Transporte zwischen Kliniken sowie weltweite Ambulanzflüge.

Besonders eindrucksvoll waren die praxisnahen Einblicke in die tägliche Arbeit der Einsatzteams. Moderne Hubschrauber wie die Typen H135 und H145 sind hochkomplex ausgestattete fliegende Intensivstationen. Die Besatzung besteht in der Regel aus einem Piloten, einem Notarzt sowie einem Notfallsanitäter. Neben der klassischen Notfallversorgung gehören inzwischen auch spezialisierte Transportaufgaben zum Einsatzspektrum: So können beispielsweise Blutprodukte oder Brutkästen für Frühgeborene sicher transportiert werden. Für hochinfektiöse Erkrankungen – etwa durch das Ebola-Virus oder im Rahmen der Corona-Pandemie – kommen spezielle, hermetisch abgeschlossene Transportsysteme zum Einsatz, die höchste Sicherheitsstandards erfüllen.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Vortrags war die sogenannte Prähospitalzeit, also die Zeitspanne vom Eingang des Notrufs bis zur Übergabe des Patienten im Krankenhaus. Diese sollte idealerweise unter 60 Minuten liegen, um die Überlebenschancen und Behandlungsergebnisse maßgeblich zu verbessern. Deutlich wurde dabei auch, wie eng getaktet und präzise abgestimmt die gesamte Rettungskette funktionieren muss – von der Alarmierung über die Leitstelle bis hin zum Einsatz vor Ort und dem Transport in eine geeignete Klinik.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Luftrettung trotz aller technischen Möglichkeiten von äußeren Faktoren abhängig bleibt. Insbesondere Wetterbedingungen und Lichtverhältnisse setzen klare Grenzen: Viele Einsätze sind nur bei ausreichender Sicht möglich, und für zahlreiche Hubschrauber gelten Einschränkungen in der Nacht, insbesondere außerhalb spezieller Nachtflugregelungen (30 Minuten vor und nach Sonnenauf- bzw. -untergang).

Abschließend ging Dr. Reifferscheid auch auf organisatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Die Einsätze werden in Deutschland in der Regel über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet, wobei die Kosten auf Basis der tatsächlich geflogenen Minuten berechnet werden.

Der Vortrag bot nicht nur faszinierende Einblicke in Technik und Abläufe der modernen Luftrettung, sondern verdeutlichte eindrucksvoll, wie entscheidend das Zusammenspiel von medizinischer Expertise, effizienter Organisation und geeigneten politischen Rahmenbedingungen für eine funktionierende Notfallversorgung ist.

Den Abschluss des Abends bildete eine lebhafte und intensive Fragerunde, in der zahlreiche Aspekte weiter vertieft wurden. Sie machte deutlich, wie groß das Interesse im Auditorium war und wie intensiv sich die Clubmitglieder mit den Inhalten des Vortrags auseinandergesetzt hatten.

Der Referent überzeugte dabei nicht nur durch seine fachliche Expertise, sondern auch durch seine anschauliche und zugleich praxisnahe Vermittlung komplexer Inhalte.