Am 18.2.26 lauschten alle Teilnehmenden gespannt und fasziniert den Worten des Referenten und Archäologen Georg Häußler. Er ist Geschäftsführer seiner 2016 gegründeten ArchaeoTask GmbH in Engen, die sich auf private archäologische Dienstleistungen und insbesondere auf die Begleitung von Pipelinebauprojekten spezialisiert hat.
Der Vortrag von Georg Häußler bot einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der privatwirtschaftlichen Archäologie in Baden-Württemberg – ein Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch, gesetzlichem Auftrag und unternehmerischer Verantwortung. Mit langjähriger Managementerfahrung und großer Leidenschaft für historische Forschung steht Häußler für eine moderne, interdisziplinäre Archäologie, die Nachhaltigkeit und den respektvollen Umgang mit unserem kulturellen Erbe in den Mittelpunkt stellt. Als Leiter von ArchaeoTask verbindet er fachliche Expertise mit innovativer Technologie und wirtschaftlicher Effizienz.
Seit der Marktöffnung im Jahr 2016 hat sich die Archäologie im Land grundlegend gewandelt: Während das Landesdenkmalamt heute als Aufsichtsbehörde Qualitätsstandards definiert und die Einhaltung des Denkmalschutzgesetzes überwacht, übernehmen private Fachfirmen die operative Durchführung der Grabungen. Grundlage ist das Verursacherprinzip – wer durch ein Bauprojekt ein Bodendenkmal gefährdet oder zerstört, trägt die Kosten für dessen fachgerechte Untersuchung und Dokumentation, wobei für private Bauherren eine Zumutbarkeitsgrenze gilt.
Wie dynamisch und zugleich überraschend archäologische Arbeit verlaufen kann, zeigte Häußler am Beispiel einer Grabung in Geisingen, die 2021 im Zuge eines Neubaugebiets begann und sich zu einer umfassenden Untersuchung eines alamannischen Gräberfeldes mit zugehöriger Siedlung aus dem 4. bis 7. Jahrhundert entwickelte. Zu den spektakulären Funden gehörten ein reich ausgestattetes Kriegergrab mit einer wertvollen Spatha, mehrere Lanzenspitzen sowie ein seltener Sturzbecher aus Glas – eindrucksvolle Zeugnisse vergangener Lebenswelten. Moderne Technik spielt dabei eine zentrale Rolle: Statt zeitintensiver Handzeichnungen kommen Photogrammetrie und digitale 3D-Modelle zum Einsatz, während geomagnetische Prospektionen per Drohne große Flächen zerstörungsfrei untersuchen.
Mit Systemen wie der „MagDrone R4“ lassen sich Anomalien im Erdmagnetfeld lokalisieren, die auf verborgene Mauern oder Gruben hinweisen – Arbeiten, die früher Wochen beanspruchten, können heute innerhalb eines Tages erfolgen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden lineare Infrastrukturprojekte wie Pipeline- oder Bahntrassenbauten, bei denen Teams von bis zu 100 Fachkräften koordiniert werden und die Archäologen der schweren Verlegemaschinerie stets einen Schritt voraus sein müssen.
Auch im Bereich der Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie ist ArchaeoTask fachlich vernetzt und engagiert. Die prähistorischen Pfahlbauten im Zürichsee, Teil des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, stehen exemplarisch für die besonderen Herausforderungen archäologischer Arbeit unter Wasser und in sensiblen Feuchtbodenzonen. In diesem Kontext bietet ArchaeoTask unter anderem eine qualifizierte Forschungstaucher-Ausbildung an und trägt damit zur Professionalisierung archäologischer Taucheinsätze bei. So verbindet das Unternehmen wissenschaftliche Expertise, praktische Ausbildung und moderne Technik auch in anspruchsvollen Unterwasserumgebungen.
Diese Projekte eröffnen einzigartige Einblicke in die Siedlungsgeschichte ganzer Landschaften und stellen zugleich hohe logistische Anforderungen. Als rein privatwirtschaftliches Unternehmen finanziert sich ArchaeoTask über Aufträge von Bauherren und investiert kontinuierlich in moderne Technik, Spezialfahrzeuge und wissenschaftliche Nachbereitung. Der Vortrag machte deutlich, dass jede Ausgrabung eine Gratwanderung ist, da sie immer auch die unwiederbringliche Zerstörung eines Befundes bedeutet – und dass es deshalb oberstes Ziel bleibt, durch präzise Dokumentation und sorgfältige Auswertung die gewonnenen Erkenntnisse dauerhaft zu bewahren und Geschichte für kommende Generationen sichtbar zu machen.




