2.700 Kilometer auf dem Jakobsweg

Neckar-Alb Reutlingen | 01. November 2026 | Kristin Maier-Müller
Vortrag von Harald Klein

Am 21. Oktober 2026 konnte Kristin Maier-Müller, Präsidentin des Lions-Clubs Neckar-Alb Reutlingen, im Restaurant Mayers Waldhorn in Mähringen gut 15 Clubmitglieder und Gäste zu einem ebenso persönlichen wie eindrucksvollen Vortragsabend begrüßen.

Harald Klein, geschäftsführender Gesellschafter der RailAdventure GmbH mit Sitz in München und wohnhaft in Stuttgart, berichtete über seine außergewöhnliche Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Zuvor war der ausgewiesene Bahnfachmann unter anderem als kaufmännischer Geschäftsführer bei Stuttgart 21 tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehörten außerdem Tätigkeiten in China und den USA. Er selbst bezeichnet sich als „Bahnenthusiast“.

Den Entschluss zur Pilgerreise fasste er im November 2021, nachdem er seine Tätigkeit bei Stuttgart 21 beendet hatte und vor einer beruflichen Neuorientierung stand. Auf dem Weg wollte er Abstand gewinnen, den Kopf für Neues freibekommen und, wie er mit einem Augenzwinkern bemerkte, zugleich die Zahl seiner Sünden für das Fegefeuer reduzieren.

Seine Pilgerreise begann direkt vor seiner Haustür in Stuttgart. Von dort führte ihn der Weg durch das Elsass und Burgund zunächst nach Taizé, anschließend über Le Puy-en-Velay und den spanischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Schließlich wanderte er noch weiter bis nach Fisterra, dem historischen „Ende der Welt“ am Atlantik.

Zweimal musste Harald Klein seine Reise unterbrechen: zunächst wegen eines schweren Infekts, später aufgrund des Todes seiner Mutter. Dennoch bewältigte er insgesamt rund 2.700 Kilometer zu Fuß. In 90 Tagen war er 583 Stunden unterwegs und überwand dabei beeindruckende 40.890 Höhenmeter.

Anhand eines Fotos für jeden Reisetag ließ er die Clubmitglieder und Gäste an den Landschaften, Begegnungen und persönlichen Erfahrungen seiner Pilgerfahrt teilhaben. Sein Vortrag war offen, persönlich und berührend. Das einfache Leben unterwegs habe ihm geholfen, sich neu zu besinnen. Materielle Dinge habe er nicht vermisst, wohl aber vertraute Menschen. Zugleich erlebte er unterwegs zahlreiche intensive Begegnungen und tiefgehende Gespräche.

Nach seiner Einschätzung nutzt die Kirche die besonderen Möglichkeiten des Jakobswegs für Begegnung und geistliche Begleitung bislang noch zu wenig. Ein weiteres großes Ziel hat Harald Klein bereits ins Auge gefasst: einen etwa sechsmonatigen Pilgerweg nach Israel, den er sich vermutlich für die Zeit nach seinem Eintritt in den Ruhestand vornehmen möchte.

Zum Abschluss beantwortete der Referent Fragen zu seiner früheren Tätigkeit bei Stuttgart 21 und gewährte auch dabei sehr persönliche Einblicke. Es war ein eindrucksvoller Clubabend über Aufbruch, Verzicht, menschliche Begegnungen und die Suche nach neuer Orientierung.